Geschichte

Zurzeit leben allein in der Bundesrepublik Deutschland ca. 600.000 MigrantInnen, die älter sind als 60 Jahre. Ihr Anteil wächst: Im Jahre 2030 werden es Prognosen zufolge schon 2,8 Millionen sein. Die Dienste und Einrichtungen der Altenpflege und –arbeit stehen vor der Herausforderung, den Ansprüchen und Bedürfnissen alt gewordener MigrantInnen gerecht zu werden.

Aus diesen Gründen schlossen sich im März 2000 MitarbeiterInnen verschiedener Verbände und Institutionen aus den Bereichen Altenhilfe und Migrations- bzw. Integrationsfragen zu einem Arbeitskreis zusammen. Sie entwickelten gemeinsam das „Memorandum für eine kultursensible Altenhilfe“ sowie die „Handreichung für eine kultursensible Altenpflege“. Im Juni 2002 wurden diese in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt und von Trägern der Altenhilfe sowie den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege unterzeichnet. Das Memorandum hat das Ziel, die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit einer Altenhilfe zu überzeugen, die den zugewanderten sowie den einheimischen SeniorInnen ein Leben in Würde ermöglicht und ihre besondere Situation berücksichtigt. Dafür sollen die entsprechenden Rahmenbedingungen („Marksteine“) in Politik und Gesellschaft geschaffen werden.

Als erster Schritt in eine breitere Öffentlichkeit fand am Weltaltentag 2004 in Berlin und Bern die Auftaktveranstaltungen zur Kampagne für eine kultursensible Altenhilfe statt. Die Kampagne stand unter dem Motto „Aufeinander zugehen - voneinander lernen“ und unter der Schirmherrschaft der damaligen Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Gemeinsam mit KooperationspartnerInnen aus der Schweiz und Österreich wurde für die Unterzeichnung des Memorandums geworben. Grenzüberschreitend sollte ein Bewusstsein für die Notwendigkeit kultursensibler Arbeitsweisen in den Einrichtungen und bei den Diensten der Altenhilfe geschaffen werden. Mehr als 60 Verbände und Institutionen beteiligten sich an der Kampagne, unter ihnen:

  • Arbeitsstab der Bundesbeauftragen für Migration, Flüchtlinge und Integration
  • Kuratorium Deutsche Altenhilfe (KDA)
  • Arbeiterwohlfahrt (AWO)
  • Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
  • Caritasverband Frankfurt
  • afw Elisabethenstift Darmstadt
  • Informations- und Kontaktstelle für die Arbeit mit älteren Migranten (IKoM)
  • Bundesverband Information und Beratung NS-Verfolgter
  • Caritas Oberösterreich
  • Pro Senectute, Cura Viva und Eidgenössische Ausländerkommission (EKA) / Schweiz
  • Verbände der MigrantInnen (VIA Verband für Interkulturelle Arbeit; Türkischer Bund Berlin-Brandenburg; AES Spanische Weiterbildungsakademie)

Wie das Motto der Kampagne „Aufeinander zugehen – voneinander lernen“ bereits ausdrückt, sollte MigrantInnen der Zugang zu Angeboten der Altenhilfe erleichtert werden. Zugleich wurden Einrichtungen der Altenhilfe bei der Umsetzung der kultursensiblen Altenhilfe durch Informationen und Schulungen unterstützt. Als Symbol für die Wanderschaft und Migration hatten die OrganisatorInnen die Materialien, mit denen Aktionen, Projekte, Aus- und Fortbildungen durchgeführt werden konnten, in Koffer gepackt.

15 Monate reisten diese Kampagnenkoffer durch Deutschland, die Schweiz und Österreich und trugen so dazu bei, die Prinzipien einer kultursensiblen Altenhilfe in den Einrichtungen und Diensten der Altenhilfe bekannt zu machen.

Mehr als 167 Altenhilfeeinrichtungen, Kommunen, Ausländer- und Seniorenbeiräte, Selbstorganisationen der MigrantInnen, Verbände und Fachkräfte verpflichteten sich bis Ende der Kampagne mit ihrer Unterschrift, für die Umsetzung einer kultursensiblen Altenhilfe einzutreten. Es gelang während der Kampagne nicht nur zahlreiche spannende Diskussionsprozesse anzustoßen, sondern auch

  • regionale und lokale Netzwerke aufzubauen,
  • Fachkräfte für die Problematik und das Thema zu sensibilisieren,
  • Konzepte und Projekte für interkulturelle Öffnung und Begegnung zu entwickeln,
  • und mehr als 206 Veranstaltungen (z.B. Ausstellungen, Fachtagungen, Feste, Schulungen, Workshops, interkulturelle Begegnungen) durchzuführen.

„Potenziale des Alters – MigrantInnen gestalten mit!“ – unter diesem Motto fand Ende Januar 2006 die Abschlussveranstaltung der Kampagne in Bonn statt. Alle Beteiligten, unter ihnen auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer sowie Dr. Gertrud Zimmermann vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend würdigten die geleistete Pionierarbeit und bundesweite Bedeutung der Kampagne. Der Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA), Klaus Großjohann, plädierte für weitere Anstrengungen auf dem Gebiet der kultursensiblen Altenhilfe. Sein Vorschlag, die entstandenen bundesweiten und regionalen Netzwerke, Initiativen und Personen im Rahmen eines Forums weiter zu unterstützen, stieß auf die einhellige Zustimmung der InitiatorInnen und TagungsteilnehmerInnen.

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